[cresta-social-share]

Wenn Väter in ein tiefes Loch fallen…

Mein Lebensendgefährte, der objektiv ein Traum von einem Stiefvater ist, sinnierte kürzlich darüber, was denn passiert, wenn “unsere” Jüngste aus dem Haus geht. Er wollte den Gedanken nicht weiter ausführen, seine Stimme belegte sich und wir beide verstummten. Im Stillen dachte ich mir, dass dann endlich die gebrauchten Taschentücher meiner Töchter nicht mehr auf dem Kinderzimmerboden liegen, nasse Handtücher nur noch – wie es sich gehört – auf der Stange im Bad hängen würden und nicht sonst wo im Flur, der Wäscheberg erheblich kleiner werden würde und die schallende Musik aus dem ersten Stock bekäme ich dann nicht mehr um die Ohren. Und Chaffeur-Dienste hätten sich dann auch erledigt. Also einige positive Veränderungen konnte ich dem “Empty-Nest” abgewinnen. Und die Frage stellte ich mir dann im Stillen: Wäre unser Lebensglück zerstört, wenn beide Kinder aus dem Haus ausziehen? Ich glaube bei uns nicht, zumal wir nicht, wie viele andere Paare, wegen der Kinder zusammen bleiben und bei deren Auszug keinen Zwang mehr verspüren würden, das Nest aufrechtzuerhalten. Zum anderen arbeiten wir beide, so dass wir die neuen, freie Zeit, die sich “post” Kinder ergibt, sinnvoll für uns nutzen können für gemeinsame Interessen, die mit den Kindern auf die lange Bank geschoben werden. Mehr Zeit für Hobbys, mehr Muse, mehr Ruhe, die man sich jahrelang wünschte.

Oft liegt die Vermutung nahe, dass Mütter mit dem Auszug mehr hadern als die Väter. Jüngsten Studien zufolge ist dem nicht so. Zumal der Vater eher derjenige nach Feierabend ist, der die Freizeit mit den Kindern im Spiel- und Spasstrieb verbringt. Die Mutter eher das Gros an Haushaltsarbeiten verrichtet, die sich signifikant verringern, wenn die schmutzenden Kinder aus dem Haus sind und sie das sicher weniger vermisst.

Die Trauer über das “Empty nest” wiegt beim Mann wohl genauso schwer wie beim Jobverlust. Viele sorgende Mütter, die nach dem Auszug des Kindes sich neu erfinden müssen, gehen mit der Trauer im übrigen auch besser um, wenn sie einen Job finden, der sie ausfüllt. Sozusagen als Ausgleich des Identitätsverlust. Gestern war man noch die umsorgende Mama und heute ist man auf dem Abstellgleis, nutzlos mit viel Freizeit, mit der man aber nichts anzufangen weiss. Golf spielen und den neuen Hobbys frönen,  ist nicht immer die beste Option für das Selbstwertgefühl.

Und Hoffnung auf Trost via Handy, Skype, Facebook & Co ist schwindend, denn nachdem es so einfach ist, mal eben – auch noch kostenlos – eine WhatsApp Nachricht zu senden, schmerzt es am Ende um ein Vielfaches mehr, wenn der Nachwuchs nicht mal das schafft. Und noch schlimmer: sieht man sein Kind auf Instagram, per Videobotschaft wird die Sehnsucht visualisiert noch schlimmer. Die neuen Kommunikationswege sind also auch kein Heilsbringer.

Besonders geschiedene Eltern, sprich Single-Erziehende, können in ein tiefes Loch fallen, da sie dann tatsächlich alleine übrig bleiben. Aber das Scheidungsrisiko steigt auch bei Ehepaaren, deren Kinder das Nest verlassen haben. Also, arbeitet an Eurer Beziehung, wenn der Nachwuchs noch mini ist, dann geht mit dem kindlichen Exodus nicht über all das Licht aus.