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Deutschland wird immer bunter und polarisierter

Credits: Dunja, Faise, Fatima, Omar, Muzen aus Syrien, Kindergarten des Flüchtlings-Campus Dahlem, in Berlin-Zehlendorf

Seit 1953 gibt es Asylanträge in Deutschland in einer nennenswerten Ziffer. Waren es 1953 noch 1.906 Anträge, stieg die Zahl im Jahr 1993 auf 438.191 und in 2015 auf 425.035. Verglichen mit dem Jugoslawischem Bürgerkrieg ist die aktuelle Flüchtlingswelle also kein neues erstmaliges Phänomen und liegt sogar unter der kumulierten Zugangszahl von 1993. Was viele hier vergessen oder verdrängt haben: Deutschland hatte demnach bereits Anfang der 90 Jahre eine massive Einwanderung mit noch höheren Asylanträgen (Erst- und Folgeanträge) als heute, die wir damals als Volk wohl weniger heftig gespürt haben. Ich vermute das diese unterschiedliche Wahrnehmung der Situation des Ausnahmezustandes des gerade neu vereinigten deutschen Landes geschuldet war. Die Euphorie der Wiedervereinigung schien so emotional überwältigend, dass man das Fremde aus dem ehemaligen Jugoslawien (Bosniaken, Kosovo Albaner, Montenegriner und auch Serbier können durchaus moslemischen Glaubens sein) als nicht so bedrohlich empfand wie die derzeitige Migrationsbewegung aus den arabischen Ländern.

Dies versucht die morgen beginnende Ausstellung “Immer bunter – Einwanderungsland Deutschland”  im “Deutschen Historischen Museum” in Berlin zu veranschaulichen, indem sie alle Facetten und Etappen der Einwanderungsgeschichte bis hin zu leuchtenden Fallbeispielen zu den Themen: Integration, Assimilation, Identität, dem Umgang mit den fremden Kulturen sowie Religionen sowie den Parallelgesellschaften, Fremdenhass und Islamphobie beim Namen nennt und sie anhand von 800 signifikanten Objekten dem Besucher näher bringt. Die Ausstellung “Immer bunter” läuft von 21.5.2016 bis zum 16.10.2016 und ist nicht nur für Touristen des polarisierten Deutschlands und des Auslands sehenswert, sondern auch für die Berliner Einwohner und insbesondere für jene, die Petitonsausschüsse bilden wollen, da sie einer Ghettoisierung von Flüchtlingen in leerstehenden Unigeländen (“Campus Dahlem”) in den Nobelvororten der Hauptstadt entgegenwirken wollen, aber selbst ein solches Aufnahmelager (keine Container und Turnhallen) noch nie von innen besichtigt haben, um sich ein tatsächliches Bild vor Ort zu machen, wie friedlich es dort zugeht.

Ich war mehrmals mit meinen Töchtern dort und sie haben Freundschaften mit den Flüchtlingskinder geschlossen, deren gemalte Bilder zeige ich hier im Blog. Grosse Talente darunter, und dies nicht nur im künstlerischen Bereich, sondern auch das Emphatische, Zwischenmenschliche, das von diesen hilfsbedürftigen Menschen ausgeht, hat mich zutiefst berührt.

Ein Museum zu besuchen, kostet ja nicht eine solch grosse Überwindung als auf Tuchfühlung mit den Asylanten ins Heim zu gehen, aber ist schon mal ein guter Anfang, um sich zu informieren, ehe man voreilig Unterschriften sammelt und nur Gerüchte ungefiltert und unfundiert wiedergibt.