Wir haben keine andere Chance mehr. Ehe wir total vor den “Devices” vereinsamen, unsere Einkäufe online machen, 3-4 Stunden im Internet “privat” chatten, nehmen wir die Herausforderung des Netzes an und werden der beste Freund des Roboters. So vertraut wie wir schon miteinander sind: Algorithmen bieten – auf mich persönlich zugeschnittene –  Reisedestinationen an. Bücher nach meinem Geschmack werden mir, unaufgefordert, online empfohlen. Auf meinem Schrittmesser werden meine täglich gelaufenen Meilen verwertet und “Google Earth” weiss genau, wo ich mich gerade aufhalte. Mein Handy ersetzt meinen Wecker. Und mit der neuen Gesichtserkennung auf dem neuesten Iphone x wird das ganze nun noch mehr auf mich personalisiert abgestimmt. Na, wenn das kein bester Freund ist. Einer, der mich total versteht, der mich mag, so wie ich bin. Der mich auch ohne grosse Worte, genannt “hashtags” (#)  schon versteht, ohne komplizierte Satzstellungen und grossen Erklärungen. Der Roboter versteht mich allein schon visuell, schaut mir bestenfalls mit Abertausenden von Menschen tief in die Augen.

Aber leider ist die Freundschaft auch abhängig vom Geldbeutel. Die Handies werden immer teurer, selbst mit einem Vertrag muss man einen grossen Anteil für eines der neueren Geräte hinzu zahlen. Wer höchsten Standard, z.B. mit der aktuellen Gesichtserkennung, und zur technischen Avantgarde dazugehören will, muss das nötige Kleingeld haben. Viele, die sich teure mobile Telefone nicht leisten können, sparen sich das Essen vom Mund ab, um sich den begehrten Roboter kaufen zu können. Fuer den besten Freund tut man ja alles, sogar hungern, das kommt der fettfreien Figur, die man fast hüllenlos posten kann, dann ja auch zugute. Um seiner Selbstwillen…

Es ist mittlerweile fast ein Zwang unter jungen Leuten, das Selbstbild, sein Körperbild weltweit anzubieten. Da sieht man lasziv junge Mädchen in “pin up”-Posen, die gerade mal 15 Jahre alt sind. Kein Wunder, dass die Auflage von “Playboy & Co” zurückgeht, wenn das Netz schon freiwillig Futter für Voyeure pro bono liefert. Fuer den besten Freund zeigt man doch gerne die pralle Haut. Und bei Damen Ü 30 fragt man sich, ob deren Partner in Verzückung geraten, wenn sie die räkelnden Posen wie Freiwild im Netz sehen. Fast könnte man meinen, man ist auf der online Plattform der Hamburger Reeperbahn…

Viele junge Menschen brechen mittlerweile sogar ihr Studium ab und jobben in Boutiquen, um sich 6-8 Stunden am Tag ihrem “Instagram” Konto zu widmen, in der Hoffnung, als sogenannter “Influencer” einen fetten Werbevertrag zu erhalten, oder Urlaube spendiert zu bekommen oder auch um 600 Euro fuer ein gepostetes Bild zu erhaschen. Idealerweise steckt hinter einem online “Stern” auch ein realer “Insta-Husband”, der Sklave, der die professionellen Fotos schiesst. Das ist wohl der einzige, authentische Beitrag an den täglich bis zu 15 virtuellen Inszenierungen. Der Tag eines “soon to be influencers” läuft wohl so ab: aufstehen, Morgenroutine festhalten, 1 Stunde Outfits aussuchen, sich 1 Stunde lang schminken, posten, danach  3 Stunden Fitness, danach posten.  Nichts wird dem Zufall überlassen, um die “follower” bei Laune zu halten, besser gesagt die Stalker. Danach fiebert der Poster den Reaktionen entgegen, die Zahl der “likes” ist die neue Währung. Jeder Kommentar befeuert die Exhibitionisten. Um weitere Anhänger sprich Freunde zu bekommen, muss man natürlich auch zurück “liken” und schreiben. Das war früher auch schon so, man antwortete ja seinem Briefwechsel, nur war dieser in einem überschaubaren Rahmen. Die Sucht nach “Likes” ist die fehlende Bestätigung im realen Leben. Anerkennung für makellose, gefilterte Bildchen, die nicht der Wirklichkeit entsprechen! Es gleicht einer Ersatz-Religion. 11 Millionen Anhänger hierzulande glauben allein nur an Instagram…

Und wer das nötige Kleingeld hat, kannst sich seine “follower” kaufen. Freundschaft und Religion waren schon im Mittelalter käuflich. Warum sollte das in der “fake world” nicht weiter so gehen?

Ich bin vielen “Instagram” Stars und Sternchen begegnet. Das Erschreckende: wenn ich nicht explizit auf die Person hingewiesen worden wäre, hätte ich die Internetgrösse offline nicht erkannt, so unscheinbar!  Ganz abgesehen davon, dass solche virtuellen Stars im realen Leben keinen Beitrag am Tisch oder in aktiven Gesprächen leisten. Oft sind das sehr introvertierte Personen, die in ihrer Scheinwelt des Internets aufblühen, in der Jugend oft wegen ihres Auftretens (Figur) gemoppt wurden oder einfach aufgrund ihrer Körpergrösse übersehen wurden, und es nun endlich im Internet allen zeigen können, dass sie es geschafft haben. Endlich sind sie wer! Der Preis der Selbstinszenierung ist hoch, denn die Speicherkammer des Internets vergisst nichts! Aber dafür ist der Roboter ja auch der beste Freund, denn beste Freunde behalten alles bei sich!