Als ich in 2010 Mitglied des “Soho Houses” wurde, damals ein rein englischer Club, noch ohne Hotelanschluss, der vom Angelsächsischen aus die Welt eroberte mit einer sehr hippen Restaurant- und Baratmosphäre, war ich” not amused” über das dort verhängte Handyverbot. Kam mir sehr unmündig vor. Das geschützte Interieur Design des “Soho Clubs” durfte nicht abfotografiert werden, so die offizielle Begründung des Verbots. Heute finde ich es grossartig, denn abgesehen von der Innenarchitektur, die auch nicht jedem gefallen muss, finde ich die “Soho Clubs” weltweit als Oase der Ruhe, denn kein Mensch ist am Handy. Wo kein Bild entstehen darf, da darf auch kein mobiles Telefon gezückt werden. Herrlich! Auch wenn der einst hippe Club mittlerweile nicht nur Kunstschaffende und solche, die mit denen beruflich zu tun haben, aufnimmt, und mittlerweile auch zu einer Hotelgruppe mutiert ist, hat er  konsequent das Handverbot durchgezogen. Ich bin nach dem deutschlandweiten Rauchverbot in den Restaurants nun dafür, dass man auch in Gaststätten mobile Telefone verbietet. Dann reden Paare wieder miteinander, das Mahl wird nicht kalt verzehrt, weil man es nicht zuvor ins Bild setzen kann, und Jugendliche feiern z.B. Geburtstage, ohne hinter dem Handy “Happy Birthday” zu trällern.

Ein besonders gute Darbietung brachte kürzlich ein Bekannter von mir. Eine grössere Runde an Freunden wurde von ihm im Restaurant dazu verdammt, ihre mobilen ständigen Begleiter in die Mitte des Tisches zu legen. Derjenige, der als erstes  während des Abendessens schwach wurde und zum Handy griff, musste die gesamte Zeche zahlen. Das ist schon mal ein super Anfang back to analogem Geniessen….

 

Kürzlich war ich in Wien bei einem homosexuellen Sammlerpaar. Als ich bei der Besichtigung ihrer aussergewöhnlichen Kunstsammlung auch in den Privaträumen die Schuhfetischbegierden des einen Hausherrn begutachten durfte, war ich beruhigt, dass auch Männer den Schuhtick haben. Während ich nicht zu der Kategorie von Frauen gehöre, die Gästezimmer in Schuhsäle verwandeln, kumuliere ich als Messi, die sich von nichts trennen kann, seit 30 Jahren auch meine leisen Treter, allerdings in Kisten, zumal sich meine Schuhgrösse nicht verändert hat. Und die meisten von ihnen sind schon Vintage und damit wieder schwer in Mode, was meine Töchter sehr erfreut.

Es gibt aber viele Arten von Sammlerinnen. Schuhwahnsinnige ergattern auch Schuhe, die zu klein sind, diese fallen dann in die Rubrik “Sitz-Liege-Schuhe”. Sie werden eben nur ausgeführt zu Parade zwecken und nicht zum Laufen.

Andere, die das Kleingeld nicht haben, um Schuhe zu horten, bestellen sie, laufen auf einem “wichtigen” Fest mit der Schutzfolie auf der Sohle, um sie am nächsten Tag mit dem Paketdienst als Retoure zurück zu senden. Auch das gibt es wohl! Unfassbar, womit sich Frau die Zeit vertreibt.

Ein Freund, der ein gut gebuchter Psychologe in Berlin ist, meinte, dass Frauen, die sich jedes aktuelle Modell zulegen müssen, tatsächlich nachweislich ein Problem haben, das sie mit dem Frustkauf kompensieren müssen. Unglückliche Ehefrauen im Kaufrausch seien seine Hauptklientel… Statt sich zu trennen, kaufen sie manisch Schuhe, koste es, was es wolle. Da ist eine Scheidung am Ende günstiger für den Ehemann, denn was “Frau” da ansammelt mit den Jahren, ist schwer erlitten….

In diesen Tagen, wo meine ältere Tochter kurz vor ihrem 17. Geburtstag steht und in 7 Monaten ihre Internationale und Deutsche Hochschulreife geschafft haben wird, komme ich als “Helikopter-Mutter” zum Nachdenken. Kann mein Kind, das gefühlt erst vor 7 Jahren noch in die Windeln gemacht hat, mit 17 nach ihrem Turbo Abitur in die weite Welt schweifen, aus dem “Hotel Mama” für immer auschecken? Wird sie ohne mich überleben? Loslassen ist das Schlagwort. Ein schweres Wort. “WalkAway” nennen das US-Psychologe, die aus der Tradition nordamerikanischer Indianerstämme heraus, Pubertierende nach der Rotkäppchen Methode einfach 24 Stunden nüchtern und allein in den Wald aussetzen, sie danach – am Ende der Finsternis – von den Eltern abholen lassen, um dann gemeinsam die Erlebnisse, den Weg zu sich selbst zu finden, und damit den Weg zum Erwachsenen werden, definieren lernen. Aus der Kraft der Natur, einsam auf sich selbst gestellt, scheint auch für den deutschen Gymnasiallehrer Peter Maier mit seinem Buch “Initiation – Erwachsenen werden in einer unreifen Gesellschaft” der Schlüssel für das erfüllte Ende der Kindheit zu sein. Er organisiert mit Schülern aus der 10. und 11. Klasse regelmässig Wald-Rituale, in denen Gleichaltrige durch die einsame Erfahrung in der Wildnis Solidarität ausserhalb ihrer Familien erlernen. Ich weiss nicht, ob ich mein Kind frierend in den dunklen Wald aussetzen wollen würde, um sie, nach dem sinnlosen G 8 Druck, für das harte Leben da draussen zu wappnen bzw zu schulen. Vor dem Hintergrund, dass die Bundeswehr in Deutschland abgeschafft wurde, eignen sich solche Abhärtungsrituale ganz sicher für die heranwachsenden Jungs unserer Gesellschaft. Für hartgesottene Eltern hier mehr Informationen unter