Wenn aus Teenager SCREENAGER werden

6,5 Stunden am Tag verbringen pubertierende Jugendliche vor den Devices. 11,5 Stunden spielen Jungs in der Woche Videogames. Die Zeiten, in denen sie mit dem Computer Hausaufgaben machen oder in der Schule damit arbeiten, sind hier nicht inbegriffen, Die Videospiele-Industrie ist mittlerweile grösser als Hollywood. Besonders männliche Kinder sind süchtig nach  „Games“, sie katapultieren sie in die virtuelle Welt, aus der sie nicht mehr herauskommen wollen, weil ihnen darin alles so spielend leicht gelingt. Die Weltgesundheitsorganisation denkt bereits ernsthaft darüber nach,  „Gaming disorder“ als eine Krankheit ist ihre Liste aufzunehmen.

Wir sind in der digitalen Welt und müssen nun zusehen, wie wir damit fertig werden und wie unser Nachwuchs damit gross wird. Die Verantwortung liegt hierbei nicht nur bei den Schulen, sondern auch an uns Eltern. Vielleicht sollte man einfach in einen herkömmlichen Wecker investieren, damit das Kind normal aufwacht, ohne schon mit dem ersten Augenzwinkern in ein Handy zu blicken. Weil sonst beginnt, wie bei den meisten, schon der Morgen mit der Elektronik, eine schlimme Angewohnheit, die  an über den Tag verteilt nicht mehr ablegt. Viele Teenager neigen auch dazu, das Handy direkt am Nachttisch zu haben, auf standby, wozu? Gibt es nachts Gespräche aus USA oder aus Asien, die so wichtig sind? Bestimmt nicht. Das Handy sollte im Idealfall in einem anderen Raum liegen, wo keiner schläft und auf Flugmodus stehen.

Es ist auch unverantwortlich, wie schon 3jährige von dem iPad sitzen und darauf rumtippen. Klar, das schafft auch Freiräume für entnervte Eltern, aber lässt das Kind schon früh in die Abhängigkeit der digitalen Welt abdriften. Dr. Ruston, eine Mutter und selbst Ärztin in Amerika, hat den  Film „Screenagers“ gedreht, bitte klickt auf . Eine spannende Dokumentation, die Eltern und Kinder das Bewusstsein schärft, den Umgang mit den digitalen Devices auf ein gesundes Mass zu reduzieren.

Es gibt Schulen in Boston (USA), die konfiszieren bei Eintritt in das Schulgebäude das Handy und geben es nach Schulende zurück. Und es gibt Mütter wie mich, die Handy- und Computerzeiten zu Hause verhängen, an denen es meiner kleinen Tochter (12) gestattet ist, auf social media zu navigieren. Ich verstecke die Laptops und Handies, damit sie nicht jederzeit griffbereit sind. Seither ist meine Tochter in der Schule viel konzentrierter. Ihre Mitschüler staunen und meinen, dass es ihren Müttern egal sei, wie oft und wie lange sie vor dem Handy sitzen. In der Regel sind das selbst Eltern, die nonstop in die Devices starren. Gewissen Haushalten täte es auch gut, ab 19 Uhr einfach den W-Lan Stecker zu ziehen und somit eine selbst verordnete Entziehungskur zu machen. Spannend zu sehen, was man das als Familie plötzlich wieder gemeinsames unternimmt und mal seit langem wieder einen Spieleabend erlebt. Oder jeder für sich mal ein Buch in die Hand nimmt und kollektives Lesen am Abend geniesst, fordert im übrigen auch den Schlaf!

Bei meinem älteren Kind habe ich vor Jahren auch bewusst  auf Handy- und Laptop-Entzug geachtet. Es war eine sehr nervige Zeit, ich erinnere mich, aber jetzt ist sie 17 und „Herr“ ihrer Sinne, was das digitale Leben angeht. Viele Eltern, die überfordert sind mit dem Thema, geben entweder auf und akzeptieren, dass sie Zuhause gestörte Kinder haben. Andere entsenden ihre Kinder in Internate und geben die Verantwortung somit ab. Letzteres ist auch eine Frage des Geldbeutels, aber sein Kind abschieben in ein Internat, nur weil man selbst die Autorität verloren hat, ist alles andere als gut für die Entwicklung. Insbesondere, wenn man sein Kind schon mit 10 ins Internat steckt und sich dann freut, endlich ein Kind weniger zuhause zu haben. Solche Frauen hätten im Grunde gar keine Kinder kriegen sollen!

Ich habe „Screenagers“ bisher nur als Trailer gesehen, was mache ich erst, wenn ich den Film mit meinem Kind zur Gänze am 3.2.2018 in unserer Schule geschaut habe und danach im Diskussionsforum mit allen anderen sitze? Den Film kann man leider nicht kaufen. Dr Ruston verleiht ihn über die website:www.screenagers.com an Bildungsanstalten, die ihn zeigen dürfen für Eltern und Schüler, mit anschließender Reflexion am Ende des Films. So weckt man Begehrlichkeiten in die richtige Richtung!