Fake news, Cybermobbing und Pädophile

1,4 Mio Cybermobbing Opfer in Deutschland. Jeder 52. ist betroffen. Das ist eine gewaltige Dimension. Die Zahl der Pädophil Geschädigten liegt noch höher. Es gibt Vereine wie www.dunkelziffer.de und www.innocenceindanger.de, die sich um Prävention in den Schulen und nachhaltige Fürsorge der Opfer kümmern. Es kann nicht genug von diesen karitativen Organisationen geben, die 24 Stunden Hotlines anbieten, worunter sich die Opfer direkt melden können. Schlagwörter wie fake news und cyber mobbing belagern unseren Alltag, aber die kriminelle Energie muss nicht allein nur durchs anonyme Netz kommen, sondern durchdringt auch unseren kleinsten Kosmos. Ich schreibe aus Erfahrung….

Meine damals 13jährige Tochter hatte vor genau drei Jahren ein einschlägiges Erlebnis innerhalb ihres engsten Freundeskreises bestehend aus ihr und zwei weiteren sogenannten eingeschworenen Freundinnen. Nach der Schule wurde sie von einer der beiden Schulkameradinnen zum gemeinsamen Hausaufgaben machen nach Hause geladen. Das einladende Kind, wohlgemerkt der Nachwuchs von zwei workaholic-Anwälten, hatte anscheinend anderes mit meiner Tochter im Sinn. Um die Dritte im Bunde der Clique hinterlistig auszuschalten, fragte sie meine Tochter nach getaner Hausarbeit, ob man denn die Handies kurz mal tauschen könne, um die persönlichen „likes“ und „follower“ auf den „social media“- Portalen zu betrachten. Naiv gab meine Tochter ihr Handy an ihre Schulkameradin weiter und dies wurde ihr zum Verhängnis. Ihre vermeintliche Freundin, im übrigen die beste, wenn es um technische Anwendungen von apps & Co geht, öffnete die private Fotodatei auf dem Handy meiner Tochter, pickte sich ein Bild der anderen Freundin aus der Clique und schrieb auf das Foto „I am fat and a bitch“. Dieses verfälschte Foto, was man schon durchaus als Urkundenfälschung bezeichnen kann, schickte sie sich vom Handy meines Kindes auf ihres, um es am nächsten Tag der Dritten im Bunde unter die Nase zu reiben. Vermeintlich entsetzt zeigte sie also dem Opfer am darauffolgenden Tag in der Schule, was ihre Freundin, also mein Kind,  so mieses auf ihrem Handy habe!

Mein Kind, das nichtsahnend nach der Schule damit konfrontiert wurde, war derart unter Schock, dass ich sie zuhause stundenlang nicht beruhigen konnte. Es bedarf also nicht anonymer Idioten im Netz, die Cybermobbing betreiben, sondern im direkten Umfeld kann man die Täter, wohlgemerkt schon mit 13 Jahren, finden. Während in unserem Fall sich die Väter der drei betroffen Mädchen trafen, um die „Täterin“ zu finden, musste sich mein Kind von zwei der Papas unisono anhören, „dass sie es doch ruhig zugeben könne, es sei ja nur ein Kinderstreich“. Dies brachte meine Tochter zur Verzweiflung, denn sie konnte ja schlecht für etwas einstehen, was sie nicht gemacht hatte. Als ich dann vorschlug einen Lügendetektor einzuschalten, so forensisch wollte ich die Unschuld meiner Tochter beweisen, waren die Anwaltseltern der Fälscherin strikt dagegen, warum denn nur? Natürlich wussten sie, dass ihre Tochter schuld war, aber man kann ja als Anwälte auch Unrecht verteidigen… Und es gilt immer die Unschuldsvermutung! Erst recht beim eigenen Nachwuchs!

Als wir als Eltern nicht weiterkamen, wandte ich mich an den Schuldirektor. Der wiegelte mit dem lapidaren Spruch, dass “ die Tat ausserhalb der Schule stattgefunden habe“ erstmal ab. Mein Hinweis, dass es aber ausschließlich Schülerinnen seiner Privatanstalt beträfe und er nicht wegschauen könne, rüttelte ihn dann endlich auf, und er wurde daraufhin fast schon missionarisch. Bis heute ist es auf unserer Schule nun so, dass nahezu die Hälfte der Elternabend Sprechzeit dafür verwendet wird, das Bewusstsein der Eltern in Bezug auf  Cybermobbing zu schärfen.

In unserem Fall wurde der Schulpsychologe eingeschaltet. Die beiden Mädels, auch meine Tochter, zum persönlichen Gespräch geladen und jeder konnte sich dann einen Reim machen, wer Dreck am Stecken hatte. Im Anschluss kam die Polizei, als Abschreckung und Aufklärung, in die Schule und klärte alle Klassenstufen von 1-12 eine Woche lang auf. Denn allein schon die Tatsache, dass man Informationen, wie z.B. das Bild vom Handy, abgreift, ohne das Wissen meiner Tochter, und dieses  weiter sendet, ist ein Straftatbestand. Das Mädchen, welches das Vertrauen meiner Tochter missbrauchte, gab dann erst vor kurzem gegenüber einer anderen Mutter aus der Schule, deren Tochter nicht betroffen war, zu, ein schlechter Mensch gewesen zu sein. Schön, dass diese Erkenntnis dann nach drei Jahren zumindest kam. Auf eine Entschuldigung gar Reue wartet meine Tochter und das Opfer bis heute noch. Aber alles schlechte hat auch etwas Gutes. Nach diesem Vorfall hat sich meine Tochter neue Freunde auf derselben Schule gesucht und gefunden, mit denen sie sicherlich auch nach dem Abitur eng befreundet sein wird.

Ich beschreibe dies hier so im Detail, um zu veranschaulichen, dass man als Eltern eine grosse Verantwortung trägt. Es reicht eben nicht, wenn Vater und Mutter Händchen haltend und einvernehmlich morgens ihr Kind in der Schule abgeben und sie dann erst spät am Abend zuhause wiedersehen. Wer glaubt, ein Aupair könnte sich um seinen Nachwuchs aufmerksam kümmern, der irrt, denn die meisten von den Kinderbetreuern hängen selbst 18 Stunden am Handy ab. Die Sorgfaltspflicht hat das reich „verwahrloste“ Kind aus der Klassenstufe meiner Tochter nicht wirklich erlebt, die Eltern trifft eine grosse Mitschuld. Was auch immer die Triebfeder von fehlgeleiteten Cybermobbing Tätern auch sein mag, Hetze und Hass im Internet sind derart verbreitet, dass sich nun unser Justizminister des Themas annimmt. Fake news sollen von Facebook, Whatapp, Instagram & co gelöscht werden, bei üblen Hasskampagnen sowie Verleumdungen greift ja jetzt schon das deutsche Recht. Nur sollen nun private Firmen über „law and order“ entscheiden und in wieweit wird die Meinungsfreiheit bei dem „over blocking“ beschnitten? Egal, wie die Sanktionen sein werden, ich habe mein eigenes Fazit aus der Lehre gezogen:

Ich bin noch behutsamer und schaue mir genau das Umfeld meines Kindes an, bin mit ihr auf instagram und snapchat verlinkt, um dem Treiben beizuwohnen und wundere mich, wie Bekannte von ihr freizügig Bikini Fotos lasziv auf instagram & co stellen, quasi als Aufruf für jeden Pädophilen zur Tat zu schreiten.

Der Staat hat darauf keinen Einfluss, wie öffentlich unsere Kinder sich darstellen, aber die Eltern haben die Pflicht, fast schon forensisch,  die postings  ihrer Kinder im Internet zu begleiten und zu kontrollieren. Es ist schlimm genug, dass gejagte Teenager oft schon nur den Suizid als einzigen Ausweg aus den Hetzen und Hass der social media in Betracht ziehen, weil sie auch nach Schul- und Wohnortwechsel nicht in Ruhe gelassen wurden!