Verteidigung will gelernt sein

Wer Mädchen zuhause hat, weiss, wovon ich rede: Sie gehen aus, in die Clubs und Bars. Wenn nicht jetzt, wann dann. Recht haben sie. Spass sollen sie haben. Die Sorgen der Eltern werden mit zunehmendem Alter aber nicht kleiner. Kann sich die Tochter bei einem Angriff eines Mannes in U- und S- Bahnen, auf Parties, auf der Strasse wehren?
Meine Tochter hat einen Selbstverteidigungskurs in der Schule gemacht, hat einen Boxsack zuhause und ist selbstbewusst. Der aufrechte Gang mit klarem Blick ist die halbe Miete. Wichtig ist, dass Mädchen in gefährlichen Situationen nicht sagen:
„Fass mich nicht an!“, sondern mit tief gelegter Stimme resolut ein „Stop“ sagen. Je dominanter sie das sagen, um so mehr werden sie wahrgenommen, und ihr aufsteigendes retikuläres aktivierendes Systems, kurz ARAS genannt, steigt. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk von Nervenzellen, die miteinander verbunden sind. Bei Aktivierung des ARAS durch einen Notfall erhöht sich auch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, so dass sich der Adrenalinspiegel über die normalen 15-25 % anhebt, was lebensrettend sein kann. Denn wie beim Autofahren ist man dann wachsam und kann der Gefahr selbstbewusst nicht nur mit dem  lauten „Stop“, sondern auch im zweiten Schritt mit körperlicher Gegenwehr wie frontal ins Gesicht schlagen und und den Kopf nach hinten drücken oder in die Eingeweide treten, reagieren.
Pfefferspray, welches offiziell gegen beissende Hunde in Deutschland im Handel erlaubt ist, sollte die Tochter auch dabei haben, allerdings wird dieses in den Clubs und auf Konzerten bei Taschenkontrollen konfisziert. Drogen, Medikamente und Alkohol können die Anspannung reduzieren, was dem sogenannten Parasympathicus entspricht. Aber dieser ist eben nicht hilfreich, wenn man als Mädchen die Nacht zum Tag macht und gegen Böses gewappnet sein muss.